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Ein Stich mit Tradition

Südtirol ist für seine Handwerksbetriebe bekannt und insbesondere das Sarntal. Die Sarntaler sind ruhige Menschen mit einem ausgeprägtem Stolz und einer langen Handwerkstradition. Ihre Arbeit ist geprägt durch Verlässlichkeit und hohe Qualität. Die Zahlen sprechen für sich: Im Sarntal gibt es ca. 200 Handwerksbetriebe die bis weit über die Grenzen hinaus bekannt sind.
Seit einigen Jahren schließen sich Handwerker verschiedenster Gewerke zusammen um sich gemeinsam zu vermarkten und zu stärken. Einen sehr gelungenen Zusammenschluss bildet das „Sarner Gschick“. Dadurch erleben auch beinahe ausgestorbene Handwerke eine Renaissance. Eines dieser sehr seltenen Gewerbe ist die Federkielstickerei, sie ist seit 150 Jahren im Sarntal beheimatet.
Die Familie Thaler in Sarnthein pflegt nun bereits in dritter Generation diese Handwerkskunst. Sie ist eine der wenigen Stickereien im Alpenraum und dementsprechend ausgelastet.großvater_Vater Thaler
Der Großvater von Ulrich Thaler erlernte in den langen Wintermonaten auf der „Stör“* die Fertigkeiten der Federkielstickerei und legte damit den Grundstock für einen florierenden Familienbetrieb.
Für Ulrich Thaler selbst war es schon als Kind klar, dass er dieses sehr „unaufgeregte“ Handwerk von seinem Vater übernehmen würde. Der „Federkielstickvirus“ ist auch noch auf zwei weitere von insgesamt vier Kindern übergesprungen.
Die Ausbildungszeit dauert insgesamt fünf Jahre und ist in Südtirol, im Gegensatz zu Österreich, mittlerweile ein anerkannter Lehrberuf. Das Handwerk setzt neben einigem handwerklichen Geschick und Erfahrung vor allen Dingen Kreativität, Genauigkeit, Ruhe und ein Gespür für Ästhetik voraus.
Ulrich Thaler ist überzeugt, dass eine ständige Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten notwendig ist. Selbst nach 20 Jahren die er nun als Federkielsticker tätig ist, wird er immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Ihn fasziniert ganz besonders an diesem Beruf, dass jedes Stück im Austausch mit den Kunden entsteht.
Alle Sticker entwickeln im Laufe der Zeit ihre ganz individuelle Handschrift. Diese mit den Wünschen, Ideen und Vorstellungen der Kunden zu verbinden ist das Geschick. Dadurch ist jedes Stück unique, vorausgesetzt natürlich, der Kunde ist auch zufrieden. Federkiel-Vorstecher
Ulrich Thaler: „Es erfüllt mich immer wieder mit Befriedigung und auch etwas Stolz, wenn ich sehe mit welcher Begeisterung unsere Stücke getragen werden. Es herrscht natürlich auch ein kleiner Wettbewerb unter den Stickern, im Sinne von wer stickt noch feiner, kreativer…, da sind die Möglichkeiten vielfältig. Aber je feiner gestickt wird – Muster, Fadenstärke usw. – desto länger und aufwendiger ist der Produktionsprozess.“
Die Produktionszeit für einen sogenannten „Ranzen“ oder Trachtengurt dauert zwischen einer und sechs Wochen. Derzeit beträgt die Wartezeit bis zu zwei Jahren. Ulrich Thaler macht da auch keinen Unterschied ob ein Kunde prominent ist oder der Nachbar von nebenan. Ein Auftrag nach dem anderen wird erledigt.

Die Ausgangsprodukte sind Rindsleder und Pfauenfedern. Viele tausende von Federn werden pro Jahr verarbeitet: Zuerst müssen die Pfauenfedern entfernt und die Kiele gereinigt, dann die rund 50 bis 80 Zentimeter langen Kiele mit einem Messer gespalten werden. Je nach Geschick können 6-8 feine Kiele (Stickfaden) aus einer Feder gewonnen werden. Danach werden sie eingefärbt oder aber natur belassen.Federkiel-Entwurf
Der Erstentwurf des Musters wird auf Transparentpapier händisch aufgezeichnet, dann mit Pauspapier auf das Rindsleder übertragen. Die Sticker arbeiten mit einer sogenannten Ahle, mit Hilfe dieser werden die sehr feinen Federkiele sehr vorsichtig Loch für Loch durchgefädelt. Ulrich Thaler jedoch sticht nur mit einem kleinen Werkzeug die Löcher vor und führt den Kiel mit der Hand.
Neben dem traditionellen „Ranzen“ werden mittlerweile viele Produkte wie Gürtel, Schuhe, Geldbörsen, Glockenriemen, Speisekarten, etc. bestickt, und das sind doch ca. 50% des Umsatzes.
Die Pfauenfedern erhält die Stickerei Thaler von den Bauern aus dem ganzen Land und von Tier- und Naturparks. (Es handelt sich hier um ein „Abfallprodukt“, das beim Federwechsel der sogenannten Mauser der Tiere, entsteht)

„Ich kann mir für mich keinen schöneren Beruf wo Qualität, Kreativität, Zufriedenheit und der Austausch mit Menschen, in einem so ruhigen und angenehmen Umfeld stattfindet, vorstellen“, so Ulrich Thaler.

hier geht es zum Video

*Die Stör: Im 18. und 19 Jhd. waren die Bauern neben ihrer eigentlichen Beschäftigung auch als Handwerker tätig um ihr Auskommen zu finden. Sie richteten sich eine kleine Werkstatt ein und/oder gingen in den ruhigen Wintermonaten „auf die Stör“, auf Wanderschaft. Sie zogen von Hof zu Hof und fertigten zum Beispiel Schuhe oder Kleider für die ganze Familie an. Die einzelnen Handwerke wurden von Generation zu Generation mündlich weitergegeben. Diese alte Tradition hat auch der Tourismus in Südtirol für sich entdeckt. Mit der Idee Urlaub und Handwerk zu verbinden, wird die Aufmerksamkeit auf alte Handwerke gelenkt und gleichzeitig das lange Zeit brachgelegene Wissen wieder aktiviert und neu vermittelt.

Federkielstickerei Thaler, Rohrerstraße 41, ITALY 39058 Sarnthein / Südtirol
info@federkielstickerei.com | www.federkielstickerei.com
Fotocredit: Fa. Thaler

 

 

 

 

 

 

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