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Wohnwagon – Wohnraum mit Zukunft

wohnwagon_aufmacher ManufakturLab hat sich mit Theresa Steininger über Ihr Projekt „Wohnwagon“ unterhalten und dabei Erstaunliches erfahren. Mit viel Idee, Mut und den richtigen Partnern, haben Sie und Ihr Partner Christian Frantan, ein Statement zum Thema „autarkes Leben“ gesetzt.

Wie kommt man auf die Idee einen „Wohnwagon“ zu kreieren?
Theresa Steininger: Für uns ist der Wohnwagon ein politisches, philosophisches und vor allem auch sehr persönliches Statement zu all dem Irrsinn der in der Welt abläuft. Klimawandel, Ressourcenverschwendung, Hamsterrad,… so wie es jetzt läuft geht es nicht weiter und im Grunde wissen wir das alle. Wir wollten mit dem Wohnwagon greifbar machen, dass es auch zukunftsfähige Formen des Wohnens gibt, die sich gleichzeitig auch gut anfühlen dürfen. Wir wollten spürbar machen, dass der eigentliche Luxus unserer Zeit in der Reduktion auf das Wesentliche liegt.

Was war für Euch das Ausschlaggebende dieses Projekt nicht „nur“ zu planen, sondern auch selber zu produzieren? Die große Herausforderung ist ja auch die Idee umzusetzen, Partner zu finden,….
Theresa Steininger: Der Wert einer Idee liegt in ihrer Umsetzung. Das Projekt war und ist eine große Herausforderung, doch uns war vor allem auch wegen des enormen Feedbacks auf die Idee klar: Das muss es geben. Wir haben schon mit der ersten 3D-Visualisierung so viele emotionale Rückmeldungen bekommen, so viel Unterstützung, dass wir den Weg einfach gehen mussten. Ausschlaggebend war sicher auch, dass wir uns als Team gefunden haben – Christian, der eher von der technischen und planerischen Seite kommt und ich mit meinem Hintergrund aus Betriebswirtschaft und Marketing. Wir können auch mit unserem Netzwerk sehr viel abdecken und selber machen. Das ist eine gute Basis, um die Dinge auf den Boden zu bekommen!
wohnwagon_team
Die Finanzierung bzw. die Finanzierung über die Banken ist oft schon der erste Stolperstein für viele junge Unternehmen, crowd funding ist mittlerweile ein großes Thema. Hattet ihr da zu Beginn Bedenken? Was würdet Ihr jungen Unternehmen raten, die mit dem Gedanken spielen über diesen Weg eine finanzielle Starthilfe zu lukrieren?
Theresa Steininger: Das Crowdinvesting war für uns eine tolle Möglichkeit die Finanzierung für unseren Prototypen aufzustellen. Die Crowdinvesting-Kampagne war für uns weit mehr als eine reine Finanzierungsmöglichkeit. Wir haben in der Zeit wertvolle Rückmeldungen, jede Menge Feedback, Kontakte erhalten, ein Netzwerk aufgebaut. Wir haben unsere Branche kennen gelernt und interessante Partner gefunden. Durch das viele Erzählen von der eigenen Idee, vom Projekt, wird auch das Bild im eigenen Kopf immer klarer, wo man hin möchte, in welche Richtung es geht. Sich darüber im Klaren zu sein hilft sehr, wenn man gerade vor einem Berg aus Aufgaben steht, von denen man die meisten gerade zum ersten Mal macht.
Wir hatten zu Beginn natürlich auch Bedenken: Der Schuhproduzent Heini Staudinger mit seinen FMA-Problemen gerade in aller Munde, das Modell ist noch nicht langfristig getestet… Darum haben wir uns für die Zusammenarbeit mit der Plattform CONDA entschieden, die sich um den rechtlichen Aspekt einwandfrei kümmert und auch in enger Abstimmung mit der FMA ist.
Jungen Unternehmen würde ich raten, den Ressourcenaufwand einer Crowdinvesting-Kampagne nicht zu unterschätzen. Kommunikation, Events, die Verbreitung der Idee – das braucht Zeit und auch Ressourcen, damit man genug Menschen von der eigenen Vision begeistern kann. Aber das zahlt sich aus!
wohnwagon_ansicht

Die Auswahl von Material ist nicht ohne, wie geht ihr da vor? Was sind für Euch die Kriterien?
Theresa Steininger: Wir haben für uns den Anspruch, dass der Wohnwagon irgendwann nur aus Materialien besteht, die entweder wiederverwendbar oder kompostierbar sind. Dazu kommt, dass wir möglichst natürliche Materialien aus der Region verwenden wollen.
Den Anspruch erfüllen wir zum Beispiel schon mit dem Holzaufbau aus heimischem Holz und der Schafwolldämmung, bei anderen Bereichen, z.B. der Dachabdichtung gibt es bisher noch keine Lösungen. Da bleiben wir dran und stehen im ständigen Diskurs, schauen was auf den Markt kommt und was sich schon sinnvoll realisieren lässt.

Produziert wird in Niederösterreich, wer ist dort Euer Partner und was hat Euch überzeugt, dass er der richtige ist?
Theresa Steininger: Wir produzieren gemeinsam mit der Zimmerei Berger in Pernitz. Otmar Berger haben wir auf einer Messe kennen gelernt. Er war uns wegen seiner Bodenständigkeit gleich sympathisch und wir haben uns auch sofort in seinen Betrieb verliebt: Mitten im Grünen, ein Bach nebenbei, Pferde und Kühe schauen beim Arbeiten zu, man fühlt sich einfach gleich wohl. Im Winter 2014 sind wir außerdem vor einer sehr kritischen Situation gestanden: Wir mussten das Dach unseres Prototypen wieder entfernen und eine andere Dachform aufbauen. Das Budget dafür hatten wir nicht. Otmar hat uns damals einfach gesagt: „Das mach ma!“. Wir stellten den Wagen zu ihm und innerhalb von 2 Wochen hatten wir ein neues Dach, 1 Monat später standen wir mit dem fertigen Prototypen am Heldentor in Wien und freuten uns über den ersten Kunden, der einen Wohnwagon bei uns bestellte. So etwas gemeinsam zu stemmen schweißt zusammen.

Den Aspekt der mobilen Infrastruktur für Struktur schwache Gegenden finden wir besonders interessant. Hat sich dieser so ergeben oder war das schon von Anbeginn ein Thema? ManufakturLab hat ja unter anderem das Ziel, mittels Belebung und Unterstützung der Handwerksbetriebe schwächere Regionen attraktiv zu machen.
Theresa Steininger: Der Wohnwagon ist in der kleineren Variante (6m Länge) auch mit Straßenzulassung umsetzbar. Das ermöglicht natürlich spannende Konzepte, von fahrenden Nahversorgern über mobile Bankfilialen oder Büros. Dass wir mit unserem Konzept so zur Belebung des ländlichen Raums beitragen können, freut mich persönlich besonders. Ich komme selbst aus einer kleinen Gemeinde in Niederösterreich, wo wir mit ähnlichen Problemen kämpfen. An einige der Umsetzungsmöglichkeiten haben wir schon zu Beginn gedacht, als wir die Idee zum Wohnwagon hatten. Andere Möglichkeiten sind dann über Interessenten an uns herangetragen worden. Das ist natürlich auch immer spannend zu sehen, wie die Idee von vielen Köpfen weitergedacht wird!
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Ganz wichtig für Euch ist auch der Gedanke eine Möglichkeit zu bieten autark zu leben, warum?
Theresa Steininger: Autarkie bedeutet ein selbstbestimmtes Leben. Es bedeutet, sich damit auseinander zu setzen, wie viele Ressourcen ich brauche und woher diese kommen. Das ist für uns auch gesellschaftlich ein wichtiges Thema: Wenn wir wollen, dass die Erde auch für die nächsten Generationen noch bewohnbar ist, müssen wir massiv etwas an unseren Gewohnheiten ändern. Mit dem Wohnwagon wollten wir vor allem auch zeigen, dass das auch „leiwand“ sein kann und ein neues, freieres Lebensgefühl bedeutet.

Euer Projekt ist mittlerweile auch für die Forschung interessant, ihr arbeitet mit dem Institut Alchemia Nova, was ist das Ziel dieser Zusammenarbeit?
Theresa Steininger: Mit dem Institut gemeinsam entwickeln wir unsere Grünkläranlage für den Wohnwagon – eine mobile Pflanzenkläranlage die für die Aufbereitung des Brauchwassers im Wohnwagon sorgt. Spezielle Sumpfpflanzen und die Mikroorganismen im Wurzelraum filtern die Schadstoffe aus dem Wasser und machen es wieder als Brauchwasser nutzbar. Man duscht „im Kreis“. Das Institut testet dabei Wasserwerte, optimiert das verwendete Granulat, wir probieren unterschiedliche Behälter aus usw. – am Ende steht dann hoffentlich die erste mobile Pflanzenkläranlage, die nicht nur auf unserem Wohnwagon sondern auch für Berghütten, Häuser usw. verwendet werden kann!

Ein Wohnwagon wird bereits bewohnt, habt Ihr schon Feedback wie es sich darin lebt?
Theresa Steininger: „Saugemütlich“ hat mir Michael diese Woche in einem Mail geschrieben. Er ist mit seinem Wagen, der „Emma“, sehr zufrieden, ist aber natürlich auch ein totaler Pionier. Wir hören uns gerade regelmäßig und besuchen ihn auch ca. einmal im Monat, um gemeinsam zu optimieren und weiter zu entwickeln, damit das Autarkiesystem einwandfrei läuft.

Herzlichen Dank an Theresa Steininger und Christian Frantal.

WW Wohnwagon GmbH, Arnethgasse 42, A-1160 Wien, werkstatt@wohnwagon.at, http://www.wohnwagon.at
Fotocredit: wohnwagon, Florian Rainer (Titelbild, Teamfoto)

 

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