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Korbsalix, oder der letzte Mohikaner

Die Geschichte der Flechtkunst reicht bis 10.000 vor Christus zurück und ist somit eine der ältesten Handwerkstechniken überhaupt, was sich dadurch erklären lässt, dass für das Flechten – außer den Händen – kaum Werkzeug gebraucht wird.
Luc Bouriel ist ausgebildeter Biologe und hat eine Zusatzausbildung für Permakultur. Während seiner Ausbildungzeit in Irland besuchte er für ein Semester einen Korbflecht-Kurs und war sofort von der „Einfachheit“ dieses Handwerks begeistert.
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Nach meinem Umzug nach Österreich arbeitete ich zunächst als Landschaftsgärtner und während der Wintermonate begann ich in meiner Wohnung mit dem Flechten und Experimentieren. Nach und nach nahm der Gedanke dieses Handwerk zu meinem Beruf zu machen konkrete Formen an. Da es in Österreich kaum mehr Weidenflechter gibt, sind auch keine Ausbildungsmöglichkeiten vorhanden. So begann ich zuerst im Selbststudium und besuchte dann eine Vielzahl an Kursen und Workshops in Deutschland und Frankreich.
Seit nunmehr drei Jahren bin ich selbständig und habe meine eigene Werkstatt. Dabei hatte ich großes Glück. Von einem heute 93-jährigen Korbflechter in Korneuburg konnte ich die Werkstatt übernehmen und zugleich auch seine Produktion für Zeitungshalter. Sämtliche renommierte Cafehäuser bezogen bei ihm über 40 Jahre lang ihre Zeitungshalter, dass ich diese Aufträge mitübernehmen konnte, erleichterte mir den Einstieg sehr.

Es gibt kaum eine Produktionsart, die mit weniger Mitteln auskommt, diese Reduziertheit ist großartig. Die Hauptwerkzeuge sind meine Hände, Formen, eine Schere und ein Messer, keine Nägel, kein Kleber, keine sonstigen Hilfsmittel. Auch die Besorgung bzw. die Lagerung des Materials ist sehr einfach, im Winter ist die „Erntezeit“. Die Weidenruten werden geschnitten und über die Zeit der kalten Monate getrocknet. Bevor jedoch die Verarbeitung beginnt, müssen sie je nach Stärke bis zu einer Woche wieder eingeweicht werden, damit sie elastisch werden und nicht brechen.
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Der Prozess des Flechtens hingegen ist sehr zeitintensiv
und erfordert höchste Konzentration und Genauigkeit. Dadurch ist ein handgeflochtener Korb auch teurer als die industriell hergestellten Produkte. Sehr viel Zeit und Energie fließen in die Idee und das Konzept. Die Herausforderung für mich ist, aus der traditionellen Flechterei heraus neue Wege zu gehen, Produkte und Lösungen zu finden die den Bedürfnissen der Zeit entsprechen.
Nachdem die Designer dieses Handwerk in letzter Zeit wieder für sich entdeckt haben, entwickelt sich ein neues Bewusstsein für Material, Verarbeitung und Preisgestaltung. Korb kann mit verschiedenen Materialien kombiniert werden und daraus entstehen übergreifende Kooperationen mit anderen Branchen, wie mit einem Schlosser oder Tischler. Die Kombination von verschiedenen Materialien ist sehr spannend und setzt neue Möglichkeiten der Interpretation frei.

Der Vorteil von handgefertigten Produkten ist neben der Flecht- und Formenvielfalt die Langlebigkeit. Im Gegensatz zu Serienprodukten besteht z.B. ein Korb aus mehreren Teilen: der „Fuß“ ist das tragende Element, darauf wird aufgebaut. Dadurch kann etwa, wenn notwendig nur der Henkel repariert werden. Das ist bei einem „Billigkorb“, der aus einem Stück besteht, nicht möglich. Ein weiterer Qualitätsunterschied liegt auch in der Oberflächenbehandlung. Die Serienprodukte sind durchwegs lackiert, was zur Folge hat, dass das Material nicht mehr atmen kann und bricht. Eigentlich genügt es, die Weidenruten nur mit Leinöl zu behandeln, so bleiben sie schön elastisch und brechen nicht.
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Ein Anliegen ist mir auch die Vermittlung dieses Handwerks.
Nachdem es sich um einen aussterbenden Beruf handelt und ich einer von zwei noch aktiven Handwerksbetrieben in Österreich bin, komme ich mir ab und zu wie der letzte Mohikaner vor.
In Frankreich und auch in Deutschland erlebt dieses Handwerk gerade ein Comeback, und das stimmt mich zuversichtlich. Die Ausbildungssituation ist aber nach wie vor trist. Es gibt in ganz Europa zur Zeit zwei „richtige“ Ausbildungsmöglichkeiten – in Deutschland gibt es eine 3-jährige Ausbildung mit Fokus auf Design und in Frankreich gibt es eine Schule die dauert 2 Jahre und ist sehr traditionell orientiert.

Dieses uralte Handwerk, sprich die Korbgeflechte, waren schon vor Lehm und Ton als Lager- und Arbeitsbehältnisse in Verwendung und wurden als Brennmaterial weiterverwendet. Der Gedanke der Rundumnutzung ist mir persönlich sehr wichtig. Mit meinen Händen zu produzieren ist meditativ und kreativ zugleich.  Luc Bouriel

Korbsalix-Flechtgestaltung e.U., Ulrichgasse 1, 1020 Wien
www.korbsalix.at, korbsalix@gmail.com, tel. +436763078822

Fotocredit: Christoph Schiele

 

 

 

 

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