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Lehrlingsausbildung mit Auslandspraktikum

ifa1Lehrlinge und die damit verbundene Möglichkeit einer Ausbildung im Ausland ist auf politischer Ebene zur Zeit ein Thema. ManufakturLab hat vorab bereits recherchiert, welche Möglichkeiten es für Lehrlinge gibt, im Ausland ein Praktikum zu machen. Dabei sind wir auf IFA gestoßen.

Der Verein IFA – Internationaler Fachkräfteaustausch fungiert als zentrale Anlaufstelle für Information und Beratung von Jugendlichen, Betrieben und Bildungseinrichtungen und organisiert bereits seit 20 Jahren Auslandspraktika für Lehrlinge. Auch Jugendliche aus anderen europäischen Ländern, die ein Praktikum in Österreich planen, sind bei IFA richtig. „Wir verstehen uns als One ‐Stop‐Shop, der Einzelpersonen und Unternehmen Zugang zu Fördermitteln für transnationale Mobilität verschafft“, sagt IFA Geschäftsführerin Susanne Klimmer. „Mit unserem ganzen Engagement und über zwanzig Jahren Erfahrung setzen wir uns dafür ein, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Ausbildungsbetriebe und Schulen die organisatorischen und persönlichen Herausforderungen eines mehrwochigen Auslandsaufenthalts optimal meistern.“ Seit 2013 ist IFA Partner im Programm EYE und damit Teil eines europäischen Netzwerks an Einrichtungen, die bei der Realisierung eines solchen Auslandsaufenthalts Unterstützung anbieten.

manufakturLab hat sich mit Caroline Stanzl (IFA) und Hanna getroffen. Hanna absolviert derzeit die Tischlerlehre und war im Rahmen dieses Austausch-Programmes in Norwegen.

mL: Gleich die erste Frage an Sie Frau Stanzl, was ist das Ziel des Programmes und wie wird es von den Betrieben angenommen?
Caroline Stanzl:
Das Programm hat den Zweck die Mobilität gerade auch von Jugendlichen in Erstausbildung zu fördern. Durch die Teilnahme an diesem Projekt können Lehrbetriebe ihren Lehrlingen eine attraktive Ausbildung anbieten und haben umgekehrt im besten Fall MitarbeiterInnen mit internationaler Erfahrung und erweiterten Fremdsprachenkenntnissen.
ifa2mL: Was haben Sie bisher für Erfahrungen damit gemacht?
Caroline Stanzl: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Praktikum im Ausland den Lehrlingen die Möglichkeit bietet, den eigenen Horizont zu erweitern, sprachliche und fachliche Kenntnisse zu vertiefen und wichtige Erfahrungen für ihren weiteren beruflichen und persönlichen Lebensweg zu sammeln. Was ja bei SchülerInnen und StudentInnen schon lange selbstverständlich ist, wird auch in der Lehrlingsausbildung immer wichtiger. Auslandsaufenthalte werten aber nicht nur die Ausbildung auf, sie sind auch wichtig für die persönliche Entwicklung. Die Jugendlichen, die an einem Auslandspraktikum teilnehmen, verlieren zudem die Angst vor Neuem bzw. Fremdem. Sie kehren offener und selbstbewusster in ihre Betriebe zurück, was wiederum ist eine Bereicherung für die Betriebe ist.

mL: Wie wird das Angebot von den Betrieben bzw. den Lehrlingen angenommen?
Caroline Stanzl:
Die Betriebe nehmen das Angebot gut an, die letzten Jahre ist die Nachfrage spürbar zunehmend und jedes Jahr nehmen mehr Lehrlinge teil.

mL: Wie erfahren die Betriebe bzw. die Lehrlinge davon?
Caroline Stanzl:
Sehr viel läuft über Mundpropaganda. Dann natürlich über unsere vielfältigen Kontakte, die Wirtschaftskammer, über die Berufsschulen, die Berufsinformationsmessen, die AMS-Beratungsstellen usw.

mL: Gibt es auch Schwierigkeiten bzw. wo liegen die Hürden bei den Betrieben?
Caroline Stanzl:
Es gibt mit den Betrieben kaum Schwierigkeiten, da wir ausführliche Gespräche führen und so organisatorische, zeitliche oder auch finanzielle Bedenken fasst immer lösen können. Es gibt gesonderte Förderungen und Lehrlingsentschädigung. Die Zeiten sind zudem sehr flexibel, so dass es eigentlich immer möglich gemacht werden kann.ifa3

mL: Hanna, wie sind Sie zur Lehre gekommen und warum haben Sie an diesem Programm teilgenommen?
Hanna:
Bevor ich mit der Tischlerlehre begonnen habe, hatte ich bereits zwei Versuche mit einer Lehre im Hotel & Gastgewerbe und Bürokauffrau gestartet. Das Handwerk hat mich aber immer mehr gereizt und mir wurde klar, dass ich in diese Richtung gehen möchte. So habe ich einen dritten Versuch gestartet und mit der Tischlerlehre begonnen. Die Tischlerei war für mich irgendwie naheliegend, da mein Vater selber in der Holzverarbeitung tätig ist und mir ein Praktikum bei Art for Art vermitteln konnte. Da habe ich mich sofort wohl gefühlt, musste dann aber zuerst in einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte des AMS mit der eigentlichen Lehre beginnen, da ich keinen Lehrplatz finden konnte. Allerdings mit dem Ziel, unbedingt in eine gute Werkstatt übernommen zu werden, um meine Lehre bestmöglich abschließen zu können. Das ist mir auch gelungen, nach dem ersten Jahr wurde ich nun von Art for Art übernommen und kann hier meine Lehre beenden. Somit bin ich sehr happy.

mL: Wie war es, die Ausbildung in einer Lehrwerkstatt zu beginnen?
Hanna:
Eine Challenge. Wir waren insgesamt 400 Lehrlinge und Jeder und Jede natürlich unterschiedlich motiviert und engagiert. Zudem waren wir Mädchen auch in der Minderzahl, was natürlich auch gewisse Schwierigkeiten mit sich bringt. Für die AusbildnerInnen ist es auch nicht gerade einfach eine gute und fundierte Ausbildung zu gewährleisten.

mL: Jetzt sind Sie bei Art for Art, wie geht es Ihnen hier?
Hanna:
Hier habe ich eine super Ausbildungsstätte gefunden, die Lehrlinge stehen ganz oben und die Ausbildner sind sehr motiviert. Art for Art macht zum Beispiel immer wieder bei Lehrlingswettbewerben mit usw. Kurz vor unserem Treffen habe ich mich noch mit einem Kollegen unterhalten, er meinte, dass es gar nicht mehr so einfach ist, Lehrlinge wie in alten Zeiten in allen Bereichen auszubilden. Bei den Tischlern gibt es zum Beispiel die Bereiche: Möbelbau, Montage, Fenster- und Türenbau usw. Heute sind viele Tischlereien auf einen Teilbereich spezialisiert und damit ist es schwierig, Lehrlingen eine umfassende Ausbildung zu ermöglichen.

mL: Wie wurden Sie auf die Möglichkeit, im Ausland ein Praktikum zu machen, aufmerksam?
Hanna:
Bereits in der Lehrwerkstatt wurde ich von meinem Ausbildner darauf aufmerksam gemacht und habe mich umgehend beworben. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Was mich schon erstaunt hat war, dass ich eine der wenigen von 400 Lehrlingen war.ifa4mL: Wie war es und gibt es Unterschiede in der Ausbildung?
Hanna:
Ich war in einer Tischlerei für Möbel und Fenster in Oslo/Norwegen. Besonders gut gefallen hat mir, dass wir gleich in die laufenden Projekte eingebunden wurden, so haben wir zum Beispiel für ein Café am Flughafen in Oslo eine Theke gebaut usw., wirklich cool. Im Ausbildungsplan selber konnte ich keine gravierenden Unterschiede feststellen. Der Unterschied im Umgang mit den Lehrlingen war aber durchaus spürbar. Die Leute sind unglaublich nett und wollen den Lehrlingen wirklich etwas beibringen und bemühen sich sehr. Sprachlich hatte ich etwas weniger Glück, ich wollte ja unbedingt Englisch sprechen, aber zu meinem Leidwesen sprachen alle ziemlich gut Deutsch. Ein fixer Bestandteil war auch der Norwegisch-Sprachkurs, so konnte ich mich zumindest in Norwegisch versuchen 😉 Mir hat es total Spaß gemacht und die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen ist großartig. Dieser Auslandsaufenthalt hat sich tatsächlich auch sehr positiv auf mein Selbstbewußtsein ausgewirkt und ich bin Selbständiger geworden.

mL: Digitalisierung? Das Schlagwort der Zeit. Wieweit sind die Lehrwerkstätten bereits eingestiegen? War / Ist das ein Thema?
Hanna:
Nein, das ist noch sehr „minimalistisch“. In der Lehrwerkstatt waren zwar Smartboards im Einsatz und Videos – allerdings keine wirklichen Lehrvideos, anhand deren wir dann gearbeitet hätten oder so. In der Berufsschule fangen wir jetzt im zweiten Semester mit dem Zeichnen am Computer an. Auch hier sind Video-Tutorials nicht üblich, wir bekommen zwar Tipps, wo wir uns auf Youtube Infovideos ansehen und zusätzliches Wissen generieren können, aber das ist dann jeweils den Einzelnen überlassen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Detaillierte Infos erhalten Sie direkt bei Mag.ª Caroline Stanzl
Schönbrunner Straße 3 Tür 4, 1040 Wien
T: +43 1 3665544 12, stanzl@ifa.or.at oder www.ifa.or.at

Herzlichen Dank auch an Art for Art für die Zeit von Hanna.

Fotocredit: IFA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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