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„altrimenti – Möbel neu erzählt“ …

pinsel_hoch…Unter diesem Motto entstehen bei Altrimenti im Schweizer Flurlingen aus alten Möbeln neue Schmuckstücke. „Altrimenti Möbel sind Zeugen alter Handwerkskunst, das Material und die Verarbeitung qualitativ hochwertig. Jedes Möbel ist ein Einzelstück und wird von Hand neu gestaltet.“ So ist es auf der Homepage des 2010 gegründeten Unternehmens zu lesen, doch das ist längst nur ein Teil der Geschichte. Wir haben Patrizia Bernardinis, gemeinsam mit Daniel Schneider Gründerin von Altrimenti, zum Interview gebeten.

m/l:
Frau Bernardinis, wir sind durch einen unserer Kooperationspartner, die internationale Designmesse blickfang, auf Altrimenti aufmerksam geworden und waren von der Idee sofort begeistert. Wie ist es zur Gründung Ihres Unternehmens gekommen?

P. B.: Mein Mann und ich haben vor 8 Jahren beschlossen unsere Jobs in Zürich aufzugeben und etwas Neues zu beginnen. Unser Wunsch im südlichen Afrika, an welches wir bereits in jungen Jahren unser Herz verloren hatten, ein berufsbildendes Projekt für Aidswaise Jugendliche mit Hilfe von einheimischen Fachleuten auf die Beine zu stellen, ging nicht in Erfüllung. Wir hatten die Korruption unterschätzt und gaben 6 Monate nach unserer Ankunft auf. Nach der Rückkehr in die Schweiz, auf der Suche nach einem gebrauchten Möbel, besuchten wir zufällig einige Brockenhäuser(1). Was wir dort vorfanden inspirierte uns dazu, aus diesen alten aber wertvollen Objekten etwas Neues, Schönes zu machen. Altrimenti war geboren. Wir mieteten uns in einer Schreinerei ein und lernten mit Holz umzugehen. Ein Jahr später zeigten wir unsere ersten Objekte in der Öffentlichkeit und beschlossen weiter zu machen.
m/l: „Der Name unserer Firma steht für unsere Bemühungen der heutigen Konsum- und Wegwerfmentalität entgegen zu wirken“, steht im Mission Statement auf Ihrer homepage, ein Ansatz, der uns von manufakturLab besonders interessiert. Wie leben Sie diesen Gedanken?

P. B.: Es erschien uns von Beginn an wichtig aufzuzeigen, dass unser Rohstoff (von lokalen Schreinern hergestellte Möbel aus einheimischem Holz) von bester Qualität und nicht vergleichbar mit billigen Massenprodukten ist. Wir sind uns bewusst, dass unser Vorhaben die Konsummentalität nicht wirklich verändern wird, aber die Menschen vielleicht zum Nachdenken anregt. Viele Leute besitzen ein altes Erbstück. Meist steht es im Keller oder auf dem Dachboden. Wir animieren sie dazu, das alte Möbel bei uns so verändern zu lassen, dass es wieder in eine moderne Wohnung passt. Das Objekt erhält damit ein zweites Leben.mix

m/l: Sowohl für Sie als auch für Ihren Partner ist das Handwerk, das Sie nun ausüben, quasi ein zweiter Bildungsweg. Welche Techniken kommen bei der Verwandlung der Möbel zur Anwendung und wie haben Sie diese gelernt? Geben Sie Ihr Wissen auch weiter?

P. B.: Währen des ersten Jahres in der Schreinerei hatten wir genug Zeit, uns der Lasur- und der Schablonentechnik zu widmen. Dank ersterer bleibt die schöne Holzstruktur sichtbar. Die Ornamente hingegen sind ganz und gar unser Markenzeichen. Sie sind ausgesucht, haben eine Geschichte wie die Möbel selbst und werden von Hand gemacht.
Nachdem unsere Arbeit im Schweizer Fernsehen gezeigt wurde, bekamen wir Anfragen zu Workshops. Seither bieten wir sie an. Die Teilnehmer nehmen ein eigenes Möbel mit und verwandeln es selber mit unserer Hilfe.

m/l: Das besondere Wiedererkennungsmerkmal von Altrimenti-Möbeln sind die Arabesken und Muster, die die Oberflächen zieren. Woher stammt die Inspiration für die Auswahl der Ornamente, die Sie unterschiedlichen Geschichtsepochen entnehmen, und für deren Farbzusammenstellung?

P. B.: Unsere Reisen durch Italien, beim Besuch von alten Villen, Museen und Kirchen inspirierten uns dazu, die historischen Ornamente an Möbeln auszuprobieren. Es hat geklappt. Heute finden wir die Muster in Bibliotheken, Büchern und im Internet.sideboard
m/l: ManufakturLab versteht sich als Informations- und Vernetzungsplattform, u.a. durch das Teilen von Best Practice Beispielen. Über welche Erfahrungen können Sie in diesem Zusammenhang berichten, was die Bekanntmachung und Verbreitung der Marke betrifft? Altrimenti ist mittlerweile ja in ausgewählten Möbelgeschäften in den wichtigsten Schweizer Städten vertreten.

P. B.: Da wir aus der Werbung und der Kommunikationsbrache kommen lag es auf der Hand, mit einer Homepage und intensiver Medienarbeit zu beginnen. Ich glaube, dass die verschiedenen Design-Messen, gekoppelt mit Medienberichten, unsere Arbeit am besten bekannt gemacht haben. Geschäfte anzugehen, damit unsere Möbel in Konsignation verkauft werden, war eine von verschiedenen parallelen Maßnahmen. Leider sind die Margen sehr hoch. Internetplattformen, wie bestswiss beispielsweise, folgten erst später. Der Erfolg ist nicht unmittelbar zu erkennen. Alles braucht viel Zeit und Geduld – Nachhaltigkeit eben.

m/l: Abschließend eine Frage zu den wirtschaftlichen Strukturen. Wie ist es um die Ausbildungssituation und den Status des Handwerks in der Schweiz bestellt?

P. B.: An Ausbildungsmöglichkeiten mangelt es in der Schweiz nicht, jedoch ist die Wertschätzung für das Handwerk generell viel zu gering.

 Vielen Dank für das Interview!

Alle Informationen unter www.altrimenti.ch

(1) Geschäft für Second-Hand Möbel

 

 

 

 

 

 

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