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RUFFboards – Innovation bietet zweite Chance!

  ruff2 RUFFboards produziert aus ausrangierten Snowboards neue hochwertige Longboards, und setzt ein gesellschaftliches Statement, indem ehemaligen Häftlingen eine zweite Chance gegeben wird. Melanie Ruff, Simone Melda und Nikolaus Hutter gründeten ihre Longboard Manufaktur 3.0 im Jänner 2013 und sind damit die erste Skateboard Manufaktur in Österreich.
Melanie Ruff und Simone Melda sind seit Ewigkeiten begeisterte Skaterinnen und immer auf der Suche nach dem perfekten Board, was letztlich auch ihre „Karriereplanung“ beeinflusst haben dürfte. Melanie besuchte die HTL für Bauingenieurwesen und hat einen Doktor in Geschichte. Simone ist gelernte Zahntechnikerin und arbeitete bis vor kurzem in der IT – Branche. Das erste selbstentwickelte Board aus einem ausrangierten Snowboard haben die beiden in ihrem Wohnzimmer realisiert. Schnell wurde ihnen bewusst, dass sie eine Nische gefunden haben und eine smarte Alternative zu den Big Playern der Branche darstellen.ruff1

Die Macher_innen von RUFFboards haben eine sehr klare Vorstellung von Handarbeit und wie eine Manufaktur 3.0 funktionieren kann. Nachdem sich auch in der Welt der Sportartikel das Kaufverhalten verändert – gerade im Skater-Umfeld der Produzent_innen wird immer mehr Wert auf Transparenz und Innovation gelegt – wurden sie bestärkt, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Der Weg war aber nicht ganz so einfach, so musste sogar die bundeseinheitliche Liste der freien Gewerbe extra umgeschrieben werden. RUFFboards ist nun dem Gewerbe der Wagner, und seit geraumer Zeit Wagner / Skateboardproduktion, zugeordnet.

RUFFboards versucht sehr transparent, d.h. genaue Nachverfolgbarkeit der verarbeiteten Werkstoffe, geringe Müllproduktion, usw. zu produzieren. Sie gestalten die Arbeitsbedingungen und die Herstellung so, wie sie privat leben und konsumieren wollen – fair, bewusst, nachhaltig und sozial. Ein spezielles Thema dabei ist für sie das globale Müllproblem. Sie wollen mit ihrer Verarbeitung von ausgedienten Snowboards dazu beitragen, Ressourcen schonend zu arbeiten und vorhandene Materialien wieder zu verwenden und sich auch sozial zu engagieren. Ruffboards hat die soziale Einstellung nicht nur auf dem Papier, diese wird auch real umgesetzt. Durch die Zusammenarbeit mit dem Verein NEUSTART geben sie straffällig gewordenen Menschen durch praktische und vor allem sinnvolle Arbeit eine Chance, wieder einen Platz in der Gesellschaft zu finden. So wird auch Berti, ein ehemaliger Häftling, demnächst fix übernommen. „Berti ist ein richtiger Tüftler und kreativer wie auch engagierter Mitarbeiter seit wir dieses Projekt gestartet haben. Dank ihm konnten wir unsere Boards mehrfach verbessern und optimieren“, so Melanie Ruff.ruff4
Dieser neue innovative Zugang zu Produktion in Kombination mit sozialem Engagement wurde auch schon mehrfach gewürdigt. Ruffboards konnte den internationalen Nachwuchs-Sozialunternehmer-Wettbewerb von Ben & Jerrys für sich entscheiden und bei der European Social Innovation Competition wurden sie unter die besten zehn von 1250 europäischen Ideen gereiht.

Woher aber bezieht RUFFboard nun die ausrangierten Snowboards?
M.Ruff:
Das war gar nicht so einfach, wie man denken möchte. Der erste Gedanke war natürlich – Snowboardverleihe, Schischulen, usw. Was wir nicht bedacht haben, dass es für die ausgedienten Snowboards mittlerweilen einen florierenden Markt gibt. Am Ende der Saison werden die Snowboards an den osteuropäischen Markt verkauft. Dort werden sie nach Zustand sortiert und weiterverkauft. Die nicht mehr verwendbaren Modelle werden ganz nebenbei „gratis“ entsorgt. D.h. es gibt eine Verlagerung des Mülls von West nach Ost.
Dank Nikolaus Hutters Verbindungen konnten wir aber nun doch langfristige Partnerschaften mit einigen Snowboardverleihern in Österreich unter Bedingungen die für beide Seiten ok sind, eingehen.

Was unterscheidet die Qualität von RUFFboards von den handelsüblichen Modellen?
M.Ruff: Zuerst einmal ist jedes RUFFBOARD ein Unikat mit individuellem Design, hergestellt aus ausrangierten Snowboards. Das Design ist allerdings nur bedingt beeinflussbar, oft wird es ganz anders als wir ursprünglich geplant haben. Durch unsere einzigartige Technologie erhalten die neuen Longboards die nötige Stabilität und die originale Snowboardoberfläche bleibt dabei erhalten. Wir sind laufend damit beschäftigt, neue Shapes zu konstruieren und die Prototypen natürlich auch zu testen ;-). Für die Weiterentwicklung der Werkstoffe ist Simone die Fachfrau, sie kann auf ihre langjährige Erfahrung im medizinisch / technischen Umfeld zurückgreifen. Zusammen mit Berti experimentiert sie unablässig und ist auch ständig auf der Suche nach Produzenten in Österreich, was immer wieder eine Herausforderung darstellt.
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Und wie sieht die Herstellung bei RUFFboards aus?
M.Ruff:
Darauf sind wir besonders stolz: Unsere RUFFBOARDS sind zu 100% umweltfreundlich hergestellt. Wir verwenden ausschließlich pflanzliche Harze und Lacke und sind dabei, schrittweise einen Ersatz für alle umweltschädigenden Werkstoffe und Herstellungsverfahren zu entwickeln. So verwenden wir seit einiger Zeit statt der üblichen Glas- und Kohlefaser Matten eine Bio Flachs Matte. Das Material beziehen wir zur Zeit von Composites Evolution aus Chesterfield, England, da es in Österreich keine uns bekannte Alternative bisher gab. (Anmerkung von ManufakturLab: eine mögliche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Textilen Zentrum Haslach, ein Kooperationspartner von ManufakturLab, würde sich anbieten)
Beim Thema Müll liegen wir auch ganz gut, dass wir bei der Produktion von 500 Boards unserer Umwelt satte 1,5 Tonnen Sperrmüll ersparen und so gut wie keinen neuen Müll produzieren. Wir versuchen alle Teile zu verwenden, was uns beinahe zu 100% gelingt. Last but not least, wir produzieren mit Ökostrom.

Nachdem viele Ideen bereits auf ihre Umsetzung warten, woran arbeitet RUFFboards gerade konkret?
M.Ruff:
Derzeit arbeiten wir an einem Online-Konfigurator, damit können Kund_innen ihr altes Snowboard einscannen und ein neues Longboard designen. Für die Entwicklung des Tools haben wir eine Förderung vom AWS in der Höhe von 100.000 Euro erhalten. Das Web-Tool ist fertig und jetzt beginnt der Testbetrieb. Dafür konnten wir einige Profiskater gewinnen. Für die Kunden soll das Tool auf jeden Fall noch dieses Jahr online gehen.
Noch ein Projekt ist gerade in der Testphase: zusammen mit dem Frauengefängnis Schwarzau in Niederösterreich wollen wir zukünftig unsere T-Shirts produzieren. Dafür sind wir noch auf der Suche nach ein zwei, drei gebrauchten Overlook-Nähmaschinen, da sie in der internen Werkstatt keine haben, für die Verarbeitung von T-Shirtstoffen aber unumgänglich sind. video
Foto: 1,2 @Carolina Frank
Foto: 3 @chikalux
Titelbild: @sansculotte
Foto: @RUFFboards

Kontakt: www.ruffboards.com
Werkstatt & Shop, Hofstattgasse 4, 1180 Wien, Tel.: +43 6604861609

Verein Neustart, www.neustart.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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